Fehlsichtigkeit

Jeder zweite Österreicher ist fehlsichtig – Tendenz steigend

Rund 3,7 Millionen Österreicher über 16 Jahre sind fehlsichtig. Davon sind 1,7 Millionen ständige und 2,0 Millionen gelegentliche Brillenträger. 87% der österreichischen Brillenträger benötigen auch beim Lesen eine Brille, 8% tragen zumindest gelegentlich Kontaktlinsen.

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Was ist Fehlsichtigkeit?

Scharfes Sehen setzt voraus, dass der Brennpunkt des einfallenden Lichts exakt auf der Netzhaut liegt. Im optimalen Fall wird das Licht im Auge so gebrochen, dass dies der Fall ist; anderenfalls besteht Fehlsichtigkeit:

  • Beim kurzsichtigen Auge (Myopie) liegt der Brennpunkt vor der Netzhaut. Weiter entfernte Gegenstände werden unscharf wahrgenommen.
  • Beim weitsichtigen Auge (Hyperopie) ist es umgekehrt: Der Brennpunkt liegt hinter der Netzhaut. Gegenstände in der Nähe erscheinen unscharf.
  • Beim astigmatischen oder stabsichtigen Auge (Hornhautverkrümmung) ist der Brennpunkt auf der Netzhaut verzerrt – dementsprechend erscheinen alle Gegenstände verzerrt.
  • Im Alter kommt die so genannte Alterssichtigkeit (Presbyopie) hinzu. Das Auge verliert die Fähigkeit, sich auf verschiedene Entfernungen einzustellen, wofür ältere Menschen oftmals beim Lesen eine Sehhilfe benötigen.

Kurzsichtigkeit (Myopie)

Das Auge kurzsichtiger Menschen ist zu lang im Verhältnis zur Brechkraft von Hornhaut und Linse. Es lässt sich mit einer Kamera vergleichen, deren Objektiv auf die Nähe eingestellt ist. Das heißt, die Lichtstrahlen, die von weiter entfernten Objekten in das Auge fallen, werden vor der Netzhaut gebündelt und erscheinen somit unscharf. Im Nahbereich sieht das Auge dagegen besser.

Hochgradige Kurzsichtigkeit kann mit einer Dehnung der Netzhaut einhergehen und gilt als Risikofaktor für Netzhautdefekte oder Netzhautablösung. Diese hochgradige Myopie kann erblich sein.

Die Kurzsichtigkeit lässt sich mit Zerstreuungslinsen (Minusgläser) in Brillen oder entsprechenden Kontaktlinsen ausgleichen. Diese Linsen sind in der Mitte dünner als am Rand. Sie öffnen das Bündel der Lichtstrahlen und sorgen so dafür, dass es sich erst auf der Netzhaut zum Brennpunkt vereinigt.

Wer eine Sehhilfe als lästig empfindet, kann die Kurzsichtigkeit auch operativ korrigieren lassen. Hier können Sie sich über die Verfahren der Refraktiven Chirurgie informieren.

Weitsichtigkeit (Hyperopie)

Im Gegensatz zur Kurzsichtigkeit ist bei der Weitsichtigkeit das Auge zu kurz geformt. Das hat zur Folge, dass sich die Lichtstrahlen erst hinter der Netzhautebene vereinigen.
Mit Sammellinsen (Plusgläser), die in der Mitte dicker sind als am Rand, lässt sich die Weitsichtigkeit ausgleichen.

Ebenso ist innerhalb bestimmter Grenzen eine operative Korrektur mittels refraktiver Chirurgie möglich, über deren Verfahren Sie sich hier informieren können.

Stabsichtigkeit, Hornhautverkrümmung (Astigmatismus)

Normalerweise ist die Hornhaut kugelig geformt und hat dadurch eine gleichmäßige Brechkraft. Eine astigmatische Hornhaut ist so gekrümmt, dass die Brechkraft in den einzelnen Ebenen (Meridiane) der Hornhaut unterschiedlich stark ausgeprägt ist. Einfallende Lichtstrahlen werden daher nicht als Punkt gebündelt auf der Netzhaut abgebildet, sondern zu einem Strich bzw. Stab verzogen (daher die Bezeichnung „Stabsichtigkeit“ oder Hornhautverkrümmung). Diese Form der Fehlsichtigkeit geht häufig mit Kurz- oder Weitsichtigkeit einher.

Mit zylindrisch geformten Brillengläsern oder speziellen Kontaktlinsen lässt sich der Astigmatismus ausgleichen. Verschiedene operative Verfahren, wie zum Beispiel die Implantation torischer Linsen, erlauben auch die Korrektur der Hornhautverkrümmung.
Ich informiere Sie dazu gerne.

Alterssichtigkeit (Altersweitsichtigkeit, Presbyopie)

Die Fähigkeit des Auges, die Sehschärfe aktiv an verschiedene Entfernungen anzupassen, nennt man „Akkommodation“. Damit ist das menschliche Auge in der Lage sowohl weit entfernte Dinge scharf zu sehen als auch solche, die in der Nähe sind.
Diese Fähigkeit geht etwa ab dem 50. Lebensjahr jedoch verloren. Dann können Normalsichtige nur noch Gegenstände in der Ferne scharf sehen, für die Nähe, beispielsweise zum Lesen der Zeitung, benötigen sie eine Lesebrille. Kurzsichtige, die von Natur aus in der Nähe besser sehen, kommen meist etwas länger ohne Lesebrille aus (beziehungsweise ohne Nahzusatz in ihrer Fernbrille).

Gibt es eine Therapie gegen Alterssichtigkeit?

Trotz intensiver Forschung auf diesem Gebiet ist es bis heute nicht möglich, Alterssichtigkeit zu heilen bzw. die Akkommodation (Naheinstellungsreaktion) vollständig wiederherzustellen.

Bei der Alterssichtigkeit besteht die Therapie in der Regel darin, mithilfe einer Lesebrille wieder scharfes Sehen in der Nähe zu ermöglichen. Dies gelingt – wie bei der Weitsichtigkeit – mit einer sogenannten Sammellinse (Konvexlinse). Die Stärke der Brille richtet sich nach dem Alter und der gewünschten Lese- beziehungsweise Arbeitsentfernung. Dabei gilt: Je näher sich der Lesetext am Auge befinden soll, desto stärker muss die Brille sein. Wenn Sie neben Ihrer Alterssichtigkeit bereits eine Fehlsichtigkeit (d.h. Astigmatismus, Weit- oder Kurzsichtigkeit) haben, ist eine kombinierte Brille (eine sogenannte Gleitsichtbrille oder Bifokalbrille) für Sie am wahrscheinlichsten geeignet.

Statt einer Brille können zur Korrektur der Alterssichtigkeit auch Kontaktlinsen eingesetzt werden: Wenn Sie Ihre Kurzsichtigkeit bisher mit Kontaktlinsen korrigiert haben und auch eine einsetzende Alterssichtigkeit mit dieser Sehhilfe ausgleichen möchten, können Sie sich entsprechend für Gleitsichtkontaktlinsen (auch Mehrstärkenlinsen oder Multifokallinsen genannt) entscheiden.

Zudem stehen zur Therapie bei Alterssichtigkeit auch Verfahren der sogenannten refraktiven Chirurgie zur Verfügung: Mit einem Linsenimplantat, einer sogenannten Multifokallinse, können ältere Menschen in einigen Fällen komplett auf die Lesebrille verzichten. Diese Intraokularlinsen verteilen das Licht auf mehrere Brennpunkte, so dass sowohl im Fern- als auch im Nahbereich scharfes Sehen wieder möglich ist.
Sollte beispielsweise wegen eines Grauen Stars die Entfernung der körpereigenen Linse anstehen, ist bei dieser Gelegenheit das Einsetzen einer Multifokallinse für manche Patienten eine Option, auch im Alter großteils keine oder sogar gar keine zusätzliche Lesebrille zu benötigen. Ihr Augenarzt wird in diesen Fällen gemeinsam mit Ihnen genau besprechen, welche Erwartungen Sie mit der Operation verknüpfen und welches Ergebnis zu erwarten ist.

Die Augenlaser-Operation hingegen eignet sich bei Alterssichtigkeit nur sehr eingeschränkt zur Therapie: Eine Alterssichtigkeit durch Lasern zu beheben, ist oft nicht möglich oder bringt nur unbefriedigende Ergebnisse, da der für die Alterssichtigkeit verantwortliche Elastizitätsverlust der Linse mit dem Laser leider (noch) nicht behoben werden kann.

Selbstverständlich stehe ich Ihnen zu einer genauen Besprechung über die Möglichkeiten, Ihre Fehlsichtigkeit optimal zu korrigieren, zur Verfügung.