Viele Patientinnen und Patienten kommen mit einer Multifokallinse im Alltag weitgehend ohne Brille aus — eine Garantie für vollständige Brillenfreiheit gibt es aber nicht. Bei schwachem Licht, sehr kleiner Schrift oder bestimmten Sehaufgaben kann trotzdem gelegentlich eine Lesebrille hilfreich sein.
Multifokallinsen oder auch Linsen für den vollen Sehbereich (FRV, full-range-of-vision) teilen das einfallende Licht auf mehrere Brennpunkte auf, um Ferne, Zwischendistanz und Nähe gleichzeitig abzudecken. Das gelingt sehr gut, bringt aber bei manchen Patient*innen optische Nebenwirkungen wie Lichthöfe (Halos) oder ein leicht reduziertes Kontrastsehen mit sich, besonders beim nächtlichen Autofahren. Bei den meisten Patient*innen gewöhnt sich das Gehirn innerhalb einiger Monate an diese Effekte (Neuroadaptation), bei manchen bleiben sie jedoch spürbar. Nach meiner Erfahrung aus mehreren tausend Linsenoperationen kommen die meisten Betroffenen gut damit zurecht, wenn die Indikation vor der Operation sorgfältig geprüft wurde. Ob eine Multifokallinse für Sie geeignet ist, hängt außerdem von Ihrer Augengesundheit ab, etwa von Hornhaut, Pupille und eventuellen Begleiterkrankungen. Ich bespreche diese Abwägung offen mit Ihnen, bevor eine Entscheidung fällt, statt Brillenfreiheit bedenkenlos zu versprechen.