Ja, in vielen Fällen – bei leichten bis mittleren trockenen Augen spricht meist nichts gegen eine Speziallinse, sofern die Augenoberfläche vorher stabilisiert wird. Bei schwerer Meibomdrüsendysfunktion (MDD) oder chronisch trockenen Augen gilt der Einsatz einer Multifokallinse dagegen als relative Kontraindikation: nicht grundsätzlich ausgeschlossen, aber mit erhöhtem Risiko für Blendung, Halos und subjektive Unzufriedenheit verbunden, obwohl das Operationsergebnis medizinisch korrekt ist.
Vor jeder Speziallinsen-Beratung führe ich deshalb eine Tränenfilm-Analyse durch. Zeigt sich ein auffälliger Befund, empfehle ich zunächst eine gezielte Vorbehandlung über mindestens 4 bis 6 Wochen – etwa Lidrandpflege, Wärmeanwendungen, lipidhaltige Tränenersatzmittel und eventuell antientzündliche Therapie. Erst nach dieser Stabilisierungsphase wiederhole ich die Messung und entscheide gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten, ob eine Speziallinse infrage kommt.
Bleibt der Befund trotz Therapie auffällig, rate ich in schweren Fällen bewusst zu einer Monofokallinse oder Monofokal-Plus-Linse mit guter optischer Abbildungsqualität, ergänzt durch eine Lesebrille für den Nahbereich. Diese Offenheit über Grenzen gehört für mich genauso zur Beratung wie die Erklärung der Vorteile: Eine Speziallinse soll die Lebensqualität verbessern – nicht durch eine unpassende Indikation neue Beschwerden schaffen.