Für die Berechnung der Kunstlinsenstärke wird die Hornhautoberfläche exakt vermessen (Keratometrie/Biometrie) – der Tränenfilm ist dabei Teil der optisch wirksamen Fläche. Reißt er während der Messung ungleichmäßig auf, schwanken die erfassten Werte für die Hornhautkrümmung, und die Berechnung der Linsenstärke wird ungenauer.
Ungenaue Ausgangswerte erhöhen das Risiko, dass das tatsächliche Sehergebnis nach der Operation vom geplanten Sehziel abweicht – man spricht von einer Refraktionsüberraschung. Bei Speziallinsen mit mehreren Brennpunkten ist das Toleranzfenster für solche Abweichungen enger als bei einer Monofokallinse, weshalb die Ausgangsmessung hier besonders sorgfältig sein muss. Wie viel Spielraum selbst unmittelbar wiederholte Messungen unter Studienbedingungen zeigen können, belegt eine Untersuchung unserer Forschungsgruppe an 300 Augen vor Kataraktoperation an unserer Klinik: 10 bis 12 % der Wiederholungsmessungen der Hornhautbrechkraft lagen außerhalb der klinisch relevanten Toleranz von ±0,125 Dioptrien (Langenbucher et al., PLoS One 2025).
Deshalb gehört eine Tränenfilm-Analyse bei mir standardmäßig vor jede Biometrie, wenn eine Speziallinse geplant ist. Zeigt sich ein auffälliger Befund, wird zunächst der Tränenfilm stabilisiert und die Messung danach wiederholt – erst auf Basis dieser zweiten, verlässlicheren Messung wird die endgültige Linsenstärke berechnet. Diese zusätzliche Sorgfalt kostet Zeit, senkt aber das Risiko einer notwendigen Nachkorrektur spürbar.