Von einer Multifokallinse rate ich ab, wenn Netzhaut oder Sehnerv vorgeschädigt sind, die Hornhaut unregelmäßig ist oder der Alltag stark vom Nachtsehen bestimmt wird. Eine Multifokallinse kostet Kontrast — wer davon schon zu wenig hat, verliert mehr, als er an Brillenfreiheit gewinnt.
Konkret sind das: Makuladegeneration und andere Netzhauterkrankungen, ein fortgeschrittenes Glaukom, eine unregelmäßige Hornhaut nach Keratokonus oder früherer Laserbehandlung, sowie ausgeprägt trockene Augen, die sich nicht stabilisieren lassen. Zu Letzterem gibt es einen eigenen Beitrag, weil dieser Punkt häufig unterschätzt wird.
Hinzu kommen berufliche und persönliche Gründe: Wer nachts berufsmäßig fährt, wer weite Pupillen hat oder wer optische Nebenwirkungen kaum toleriert, ist mit Monofokal- oder Monofokal-Plus-Linsen meist zufriedener. Auch die Erwartung „völlig brillenfrei, in jeder Situation, ohne jeden Nachteil“ ist ein Ausschlusskriterium — nicht medizinisch, sondern weil sie sich nicht erfüllen lässt.
Ein Verzicht auf Multifokallinse heißt nicht, auf gutes Sehen ohne Brille zu verzichten. Für viele dieser Patient*innen ist eine Linse mit erweitertem Sehbereich die bessere Lösung, oder eine gezielte Kombination zweier Kategorien, je Auge eine (siehe mein Beitrag ‚Mix-and-Match‘).