Ja, das ist häufig und meist vorübergehend. Der Hornhautschnitt bei der Operation durchtrennt feine Hornhautnerven, die normalerweise den Lidschlag- und Tränenreflex mitsteuern; zusätzlich reizen die notwendigen Augentropfen in den ersten Wochen die Augenoberfläche zusätzlich. Beides kann das Trockenheitsgefühl nach der Operation vorübergehend verstärken, auch bei Patient*innen, die vorher keine Beschwerden hatten. Aus diesem Grund gehören pflegende, konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel zusätzlich zu den entzündungshemmenden Augentropfen nach der Operation zu meiner Standardtherapie.

Bei den meisten Betroffenen normalisiert sich die Tränenproduktion innerhalb einiger Wochen bis weniger Monate wieder, sobald die Wundheilung abgeschlossen ist und die postoperativen Tropfen reduziert werden. Wer schon vor der Operation eine MDD oder trockene Augen hatte, bemerkt die vorübergehende Verstärkung in der Regel deutlicher – ein weiterer Grund, den Tränenfilm bereits vor der Operation zu behandeln und nicht erst danach.

Schwankt die Sehschärfe in dieser Phase spürbar, vor allem abends, ist das meist Ausdruck genau dieser vorübergehenden Trockenheit und kein Hinweis auf ein Problem mit der Linse selbst; mehr dazu im Beitrag „Nach Grauer Star OP blind: Was tun, wenn das Sehen nicht wie erwartet ist?„. Anhaltende oder zunehmende Beschwerden über mehrere Monate sollten Sie aber bei einer Kontrolle ansprechen, statt sie abzuwarten.