Ja, ein Austausch ist technisch grundsätzlich möglich, in der Praxis aber selten notwendig. Am häufigsten sind eine Linsenverschiebung, eine deutlich abweichende Sehstärke nach der Operation oder eine schlecht vertragene multifokale Linse die Gründe. Wie aufwändig ein Austausch ist, hängt stark vom zeitlichen Abstand zur ursprünglichen Operation ab: In den ersten Tagen bis Wochen liegt die Linse meist noch relativ locker in der Kapsel, danach wächst sie zunehmend fest mit dem umliegenden Kapselgewebe zusammen. Ein später Austausch – etwa nach Jahren – ist deshalb chirurgisch anspruchsvoller und mit einem höheren Risiko für Komplikationen wie eine Kapselverletzung verbunden als ein früher. In der Regel führe ich einen Linsenaustausch als stationären oder tagesklinischen Eingriff durch, je nach individueller Situation. Genau deshalb lege ich schon bei der ursprünglichen Linsenwahl großen Wert auf ein ausführliches Beratungsgespräch und eine gründliche Voruntersuchung – ein gut geplanter erster Eingriff ist die beste Vorbeugung gegen einen späteren Austausch.
Kann man eine Kunstlinse wieder austauschen?
About the Author: Christina Leydolt
Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Christina Leydolt ist Fachärztin für Augenheilkunde in Wien mit Spezialisierung auf Kataraktchirurgie (Grauer Star), Kunstlinsen-Implantation und refraktiven Linsentausch. Sie leitet die Vienna IOL Study Group, forscht aktiv im Bereich Premiumlinsen (torische, multifokale, EDOF- und Monofokal Plus-Linsen) und veröffentlicht regelmäßig Fachpublikationen in internationalen wissenschaftlichen Journalen. In ihrer Ordination am Opernring berät sie individuell zu Monofokal-, EDOF-, Multifokal- und torischen Linsen mit dem Ziel, bestmögliches Sehen und ein weitgehend Brillen-unabhängiges Leben zu ermöglichen. In ihren Blogbeiträgen erklärt sie aktuelle Entwicklungen in der Augenheilkunde verständlich und wissenschaftlich fundiert. Mehr über Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Christina Leydolt und ihre Kunstlinsen-Forschung erfahren Sie hier.