Ja, eine Verschiebung (Dezentrierung) oder Kippung der Kunstlinse ist grundsätzlich möglich, kommt bei modernen Linsendesigns aber selten vor. Besonders bei Speziallinsen mit erweitertem oder vollem Sehbereich kann bereits eine geringe Fehlposition die Bildqualität spürbar beeinträchtigen. Wie stabil eine Linse im Kapselsack liegt, ist ein aktiver Forschungsschwerpunkt unserer Vienna IOL Study Group – auch scheinbar naheliegende Annahmen halten dabei nicht immer der Überprüfung stand. In einer eigenen randomisierten Studie (Ophthalmology 2024) haben wir intraindividuell untersucht, ob ein zusätzlicher Kapselspannring die Position einer Plattenhaptik-Kunstlinse im Kapselsack zusätzlich stabilisiert – wie es lange angenommen wurde. Das Ergebnis war unerwartet: Der Kapselspannring verbesserte die Rotationsstabilität nicht, und Dezentrierung sowie Kippung fielen in der Gruppe mit Kapselspannring sogar etwas höher aus als ohne. Ein solches Hilfsmittel sollte deshalb nicht routinemäßig, sondern gezielt eingesetzt werden, etwa bei tatsächlich geschwächten Aufhängefasern (Zonulae) der natürlichen Linse. In der klinischen Praxis wird die Linsenposition bei jeder Nachkontrolle mitbeurteilt; eine relevante Verschiebung macht sich meist durch eine spürbare Sehverschlechterung, Doppelbilder oder Blendung bemerkbar und sollte dann zeitnah augenärztlich abgeklärt werden. Eine leichte, klinisch nicht relevante Dezentrierung ist dabei deutlich häufiger als eine tatsächlich behandlungsbedürftige Verschiebung und erfordert in aller Regel keinen weiteren Eingriff.