Eine torische Kunstlinse ist eine Intraokularlinse mit einer zusätzlichen zylindrischen Korrektur, die eine Hornhautverkrümmung (Astigmatismus) ausgleicht. Anders als eine Standardlinse, die nur Kurz- oder Weitsichtigkeit korrigiert, gleicht die torische Linse zusätzlich die ungleichmäßige Wölbung der Hornhaut aus und muss dafür exakt in einer bestimmten Achse ausgerichtet werden.
Die torische Zusatzfunktion lässt sich mit jeder Linsenkategorie kombinieren, von der klassischen Monofokallinse bis zur Multifokallinse. Sie ist also kein eigener Linsentyp, sondern ein zusätzliches Merkmal, das bei jeder Kunstlinse dazukommen kann, wenn eine Hornhautverkrümmung vorliegt. Astigmatismus entsteht, wenn die Hornhaut nicht rund wie ein Fußball, sondern eher oval wie ein Rugbyball geformt ist. Dadurch werden Lichtstrahlen in verschiedenen Achsen unterschiedlich stark gebrochen, was zu unscharfem oder leicht verzerrtem Sehen führt, auch nach einer erfolgreichen Grauer-Star-Operation, wenn die Verkrümmung unkorrigiert bleibt.
Vermessen wird die Hornhaut vor der Operation unter anderem mit einem Hornhauttopographen. Diese Messung bestimmt sowohl die Stärke als auch die exakte Einbau-Achse der torischen Linse und ist Voraussetzung für ein gutes Ergebnis.