Eine Monofokal-Plus-Linse verbessert vor allem den Ansatz des Zwischenbereichs, also etwa Armlänge – die echte Nahsicht zum Lesen kleiner Schrift bleibt dagegen eingeschränkt. Für das Lesen in der Nähe oder in der näheren Zwischendistanz brauchen die meisten Patient*innen weiterhin eine Brille.

Das liegt an der Definition der Linsenkategorie: Nach der aktuellen ESCRS-Klassifikation gilt eine Linse als „enhanced“ (Monofokal-Plus), wenn ihre Schärfentiefe zwischen 1,2 und unter 1,58 Dioptrien liegt – deutlich weniger als bei einer EDOF-Linse (ab 1,58 Dioptrien) oder einer Multifokallinse. In unserer eigenen Studie zur Zwischenbereich- und Nahleistung dieser Linsenkategorie (J Refract Surg 2025) haben wir eine Schärfentiefe von 1,23 Dioptrien für eine Monofokal-Plus-Linse verglichen zu 0,94 Dioptrien für eine Monofokallinse zeigen können.

Realistisch heißt das: Zeitungslektüre oder Handy/Tablet sind ohne Lesebrille meist nicht komfortabel möglich. Wer auf diesen letzten Schritt zur Brillenfreiheit nicht verzichten möchte, sollte eher eine EDOF- oder eine Multifokallinse in Betracht ziehen – wohl wissend, dass damit ein anderes Nebenwirkungsprofil verbunden ist.