Speziallinsen

Einleitung

Bei der Grauen-Star-Operation wird die getrübte natürliche Linse entfernt und durch eine Kunstlinse (Intraokularlinse, IOL) ersetzt. Welche Linse dabei zum Einsatz kommt, entscheidet mit, wie gut Sie danach ohne Brille sehen.

Mit Standard-Kunstlinsen korrigieren wir bei der Operation zusätzlich Kurz- oder Weitsichtigkeit sowie eine eventuelle Hornhautverkrümmung — mit Monofokallinsen und die torischen Linsen. Nach der Operation brauchen Sie mit diesen Linsen in den meisten Fällen weiterhin eine Brille, vor allem zum Lesen und für die Bildschirmarbeit.

Speziallinsen (häufig auch Premiumlinsen genannt) — Monofokal-Plus-Linsen, EDOF-Linsen und Multifokallinsen — können darüber hinaus auch die Alterssichtigkeit (Presbyopie) mitkorrigieren und so die Abhängigkeit von der Brille verringern. Auch eine Kombination gleicher Linsentypen in unterschiedlicher Stärke (Monovision) oder verschiedener Linsentypen je Auge (Mix-and-Match) ist möglich.

Welche Linse für Sie persönlich infrage kommt, entscheidet sich erst nach einem ausführlichen Gespräch und einer gründlichen Voruntersuchung Ihrer Augen in meiner Ordination am Opernring.

Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Christina Leydolt

Wer Sie berät

Assoc. Prof. Priv.-Doz. Dr. Christina Leydolt — Fachärztin für Augenheilkunde und Kataraktchirurgin in Wien. Seit über 25 Jahren erforsche ich Kunstlinsen, als Leiterin der Vienna IOL Study Group an der Medizinischen Universität Wien und in rund 1.000 Linsenoperationen pro Jahr. Was ich Ihnen zu den einzelnen Linsentypen sage, stammt überwiegend aus eigenen Studien, nicht aus Herstellerunterlagen. Ich bin an keinen Linsenhersteller gebunden.

Sie möchten sich schon vorab orientieren? Der kurze Selbsttest gibt Ihnen einen ersten Anhaltspunkt, welche Linse zu Ihrem Alltag passen könnte – die endgültige Empfehlung folgt erst nach der augenärztlichen Untersuchung.

Zum Selbsttest →

STANDARD KUNSTLINSEN

1. Monofokallinsen

Eine Monofokallinse (Einstärkenlinse) hat einen festen Brennpunkt: Sie ist entweder auf die Ferne oder auf die Nähe eingestellt, nicht auf beides gleichzeitig. Sie ist die bei der Grauen-Star-Operation am häufigsten verwendete Linse.

Vorteile:

  • Klare, scharfe Sicht in der gewählten Entfernung
  • Bewährte, gut erprobte Technologie

Was man dafür in Kauf nimmt:

  • Für die übrigen Entfernungen ist in der Regel weiterhin eine Brille nötig — meist zum Lesen und für Bildschirmarbeit.
Was sind Monofokallinsen

2. Torische Linsen

15 bis 20 % aller Kataraktpatient*innen haben eine Hornhautverkrümmung (kornealer Astigmatismus) von 1,5 Dioptrien oder mehr. Dabei bündelt das Auge das Licht nicht gleichmäßig, sodass es auf der Netzhaut nicht zu einem scharfen Punkt, sondern zu einer verzerrten Linie fokussiert wird — Betroffene sehen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne unscharf oder verzerrt. Ursache ist meist eine unregelmäßige Hornhautform (eher „Rugbyball“ als „Fußball“).

Die torische Linse ist keine eigene Sehbereich-Kategorie, sondern eine Zusatzkorrektur: Sie gleicht die Hornhautverkrümmung mittels einer speziellen optischen Zone aus und lässt sich mit jedem Linsentyp kombinieren — Monofokallinse, Monofokal-Plus-Linse, EDOF-Linse oder Multifokallinse, in fast jeder Stärke. Bei Patient*innen mit relevantem Hornhaut-Astigmatismus implantiere ich sie standardmäßig.

Alle Speziallinsen wirken nur dann optimal, wenn ein eventuell vorhandener Hornhaut-Astigmatismus ebenfalls mit einer torischen Linse korrigiert wird. (→ ausführlich im Beitrag „Sind torische Linsen Standard?“)

Vorteile:

  • Bessere Sehschärfe ohne Brille in der Distanz der implantierten Linse
  • Gleichmäßigeres, entspannteres Sehen, entlastend bei Bildschirmarbeit und Lesen

Was dabei wichtig ist:

  • Exakte präoperative Messung von Stärke und Achse des Torus — dafür stehen mir hochauflösende Biometrie-Geräte zur Verfügung
  • Genaue Berechnung mittels moderner Linsenformeln — damit habe ich langjährige Erfahrung, unter anderem durch zahlreiche Studien mit torischen Linsen
  • Präzise Ausrichtung der Linse entlang der berechneten Achse bei der Implantation
  • Rotationsstabilität: Die Linse kann sich nach der Operation im Auge geringfügig verdrehen. In diesem Fall kann ich das Implantat in einem kleinen Eingriff an die ursprüngliche Achse zurückdrehen. Wir haben in eigenen Studien mehrere Linsenplattformen auf ihre Rotationsstabilität getestet und damit zur Weiterentwicklung torischer Linsen beigetragen.[1][2][3]
Menschen mit Hornhautverkrümmung sehe alles unscharf und verzerrt. Torische Kunstlinsen können dies korrigieren

Menschen mit Hornhautverkrümmung sehen alles unscharf und verzerrt

Was sind torische Linsen

3. Monovision

Bei der Monovision (auch „blended vision“ genannt) wird mit den implantierten Linsen ein Auge auf die Ferne und das andere auf die Nähe eingestellt. Das Gehirn kombiniert die Seheindrücke beider Augen (Neuroadaptation) und passt sich in der Regel nach einer gewissen Zeit an. Monovision ist eine Kombinationsstrategie — keine eigene Linsenart — und lässt sich mit Monofokallinsen, Monofokal-Plus-Linsen sowie EDOF-Linsen umsetzen.

Vorteile:

  • Viele Patient*innen benötigen weder für die Ferne noch für den Zwischenbereich eine Brille; für das Lesen ist meist eine Lesebrille nötig
  • Einfachere Methode als etwa Multifokallinsen, auch bei Kontraindikation für Multifokallinsen anwendbar
  • Kein Kontrastverlust: ein Restsehfehler lässt sich gut mit einer Brille ausgleichen

Was man dafür in Kauf nimmt:

  • Das Gehirn muss sich an den unterschiedlichen Seheindruck beider Augen gewöhnen
  • Bei großem Unterschied zwischen den Augen kann die Tiefenwahrnehmung leiden, etwa beim Autofahren oder Treppensteigen — daher wird meist nur ein kleiner Unterschied von rund −0,75 Dioptrien angestrebt (Mini-Monovision)

Zusammenfassend ist Monovision — kombiniert mit einer kostengünstigen Monofokallinse — eine Möglichkeit, das Sehen in unterschiedlichen Distanzen ohne Brille zu verbessern; Voraussetzung ist die Bereitschaft, sich an eine neue Art des Sehens zu gewöhnen.

Patientin braucht für das Lesen eines Textes eine Lesebrille. Mittels Monovision kann oft auf die Lesebrille verzichtet werden

SPEZIALLINSEN

Während die Monofokallinse einen einzigen Sehbereich abdeckt, ermöglichen Speziallinsen das Sehen in mehreren Distanzen. Drei Distanzen spielen im Alltag eine Rolle: die Lesedistanz (30–40 cm, z. B. Buch, Smartphone), der Zwischenbereich (60–80 cm, also quasi „Armlänge“, z. B. Bildschirm, Armaturenbrett) und die Ferne (Autofahren, Fernsehen, Sport).

Abbildung: Darstellung der Entfernungen bzw. Brennpunkte von Speziallinsen

Nach dem Sehbereich, den sie abdecken, lassen sich Speziallinsen in vier Kategorien einteilen — von einem einzigen Sehbereich bis zum vollen Sehbereich. Wichtig zu wissen: Das ist keine Rangfolge, sondern vier unterschiedliche Kompromisse zwischen Brillenfreiheit, Bildqualität und möglichen Nebenwirkungen. Im Folgenden stelle ich Ihnen die drei Speziallinsen-Typen mit ihren Fachbezeichnungen vor: die Monofokal-Plus-Linse, die EDOF-Linse und die Multifokallinse.

1. Monofokal-Plus-Linsen (Enhanced Monofokal)

Die Monofokal-Plus-Linse ist eine Weiterentwicklung der klassischen Monofokallinse mit leicht erweiterter Schärfentiefe. In der Fachliteratur finden sich dafür auch die Bezeichnungen Enhanced-Monofokal-IOL oder EDOF-Monofokal-IOL — die Begriffe sind bislang uneinheitlich.

Für Interessierte: die ESCRS-Klassifikation

Die Fachgesellschaft ESCRS bezeichnet diese Linsengruppe auch als „Partial DOFI (depth-of-field) enhanced IOLs" (Linsen mit erweiterter Teil-Schärfentiefe). Mehr zu den Fachbezeichnungen: → Beitrag „Linsen-Namen erklärt".

Funktionsweise: Der Hauptbrennpunkt liegt meist weiterhin auf der Ferne, durch die optimierte Optik wird aber zusätzlich ein Teil des Zwischenbereichs scharf abgebildet.

Vorteile: Blendung und Lichthöfe sind bei dieser Linse selten — das Nebenwirkungsprofil ähnelt dem einer Monofokallinse.

Was man dafür in Kauf nimmt: Für sehr nahes Sehen, etwa das Lesen von Kleingedrucktem, bleibt eine Lesebrille nötig, und der Zwischenbereich wird nur teilweise abgedeckt.

In eigenen Studien haben wir die Monofokal-Plus-Linse erstmals intraindividuell mit einer klassischen Monofokallinse verglichen und dabei eine Verbesserung der Zwischendistanz-Sehschärfe und der Schärfentiefe nachgewiesen.[4] Um den Sehbereich weiter zu erweitern, kann auch eine gezielte Monovision oder ein Mix-and-Match mit einer anderen Linse sinnvoll sein.

Patientin ist mit Monofokal Plus Linsen im Alltag weitgehend brillenfrei. Für das Lesen kleiner Texte ist eine Lesebrille meist notwendig

2. EDOF-Linsem (Extended Depth of Focus, Linse mit erweiterter Schärfentiefe)

Die EDOF-Linse erweitert den scharfen Bereich von der Ferne bis in den Zwischenbereich, teils bis nahe an den Lesebereich heran.

Optisches Prinzip: Jede Linse, die mehr als eine Entfernung scharf abbildet, muss das einfallende Licht aufteilen — die Frage ist nicht ob, sondern wie. Refraktive EDOF-Linsen funktionieren ähnlich wie eine Gleitsichtbrille: Verschiedene Bereiche der Linsenoberfläche übernehmen verschiedene Entfernungen. Anders als bei der Brille müssen Sie dafür aber weder den Blick senken noch den Kopf drehen — bei der Kunstlinse wirken alle Bereiche gleichzeitig. Diffraktive EDOF-Linsen funktionieren dagegen wie ein Lichtteiler: Über eine mikroskopisch feine Ringstruktur wird das Licht gleichzeitig auf mehrere Entfernungen verteilt, das Gehirn sucht sich den passenden Bereich aus.

Was man dafür in Kauf nimmt: Weil nie hundert Prozent des Lichts in einem einzigen Brennpunkt liegen, sind leichte Lichthöfe möglich und der Kontrast kann etwas abnehmen — ähnlich wie in einem Sandkasten, in dem man den Sand nur umverteilen, aber nicht vermehren kann: Baut man an einer Stelle einen hohen Hügel, fehlt er an anderer Stelle. Für sehr kleine Schrift bleibt meist eine Lesebrille nötig.

Für Interessierte: die ESCRS-Klassifikation

In der ESCRS-Klassifikation „Partial DOFI (depth-of-field) extended IOLs" (Linsen mit ausgedehnter Teil-Schärfentiefe). Mehr dazu: → Beitrag "Linsen-Namen erklärt" .

Mit EDOF Linsen ist das Sehen im Zwischenbereich (Tablet, Desktop, Armaturen, Noten) besonders gut
Was sind EDOF Linsen

3. Multifokallinsen (meist trifokal)

Die Multifokallinse teilt das Licht auf mehrere Brennpunkte auf (meist drei, d. h. trifokal) — Ferne, Zwischenbereich und Nähe — und ermöglicht dadurch die größte Brillenunabhängigkeit unter den Speziallinsen. Auch hier kommen sowohl refraktive als auch diffraktive Wirkprinzipien zum Einsatz; beide verfolgen dasselbe Ziel, mehrere Brennpunkte gleichzeitig anzubieten.

Was man dafür in Kauf nimmt: Weil das Licht auf mehrere Brennpunkte verteilt wird — auch hier gilt das Sandkasten-Prinzip —, nehmen viele Patient*innen anfangs einen leicht reduzierten Kontrast sowie Blendung oder Lichthöfe (Halos, teils auch strahlenförmige Starbursts) wahr, vor allem nachts. Bei den meisten gewöhnt sich das Gehirn (Neuroadaptation) innerhalb einiger Monate daran; eine Studie mit funktioneller MRT zeigte, dass blendungsbedingte Effekte nach rund sechs Monaten in der Hirnaktivität nicht mehr nachweisbar waren, obwohl sie anfangs vorhanden waren.[8] Bei manchen Patient*innen bleiben die Effekte spürbar — das ist der ehrliche Preis für den größeren Sehbereich.

Patient kann mit Multifokallinsen in der Nähe ohne Brille lesen
Was sind Multifokallinsen

Für wen eine Speziallinse nicht die richtige Wahl ist

Speziallinsen sind nicht für jede Patientin und jeden Patienten sinnvoll — und das offen zu sagen, gehört für mich zur Beratung dazu. Gegen eine Linse mit erweitertem oder vollem Sehbereich sprechen unter anderem:

  • Beruflich viel Nachtfahren: Wer nachts regelmäßig längere Strecken fährt, ist mit einer Monofokal- oder Monofokal-Plus-Linse meist besser beraten — Lichthöfe und reduzierter Kontrast fallen genau in dieser Situation am stärksten auf.
  • Bestimmte Begleiterkrankungen: Makulaveränderungen, ein fortgeschrittenes Glaukom oder eine unregelmäßige Hornhaut können das Ergebnis einer Speziallinse deutlich einschränken.
  • Ausgeprägt trockene Augen: Sie beeinflussen sowohl die Vermessung vor der Operation als auch die Bildqualität danach (ausführlich: Trockene Augen und Speziallinsen).
  • Sehr hohe Erwartungen an perfektes Sehen in allen Situationen: Kein Linsentyp leistet das. Wer damit rechnet, ist nach der Operation häufiger unzufrieden als jemand, der die Abwägung vorher kennt.

Ob und wie stark Lichthöfe und Blendung auftreten, ist die häufigste Sorge vor der Entscheidung — dazu habe ich einen eigenen Beitrag geschrieben: → Halos, Blendung & Co.

Und falls Sie sich fragen, was passiert, wenn Sie mit Ihrer Linse dauerhaft nicht zurechtkommen: Ein Austausch der Kunstlinse ist grundsätzlich möglich, aber ein zweiter Eingriff mit eigenen Risiken. Deshalb investiere ich lieber vorher Zeit in die Auswahl (mehr dazu: Wie lange hält eine Kunstlinse — und kann man sie wechseln?).

Tabelle: Vergleich der Linsentypen

Monofokallinse Monofokal-Plus-Linse EDOF-Linse Multifokallinse
Ferne + + + +/-
Zwischenbereich +/- + +
Nähe +/- +
Kontrast + + +/-
Halos / Blendung selten selten möglich häufiger
Älteres Pärchen genießt ihr Leben in vollen Zügen, wieder klar sehen dank Speziallinsen

Welche Linse passt zu welchem Alltag?

Ein erster Anhaltspunkt — die tatsächliche Empfehlung ergibt sich erst nach der Voruntersuchung.

Wenn das auf Sie zutrifft …… kommt am ehesten infrage
Sie arbeiten viel am Bildschirm oder LaptopEDOF-Linse
Sie fahren häufig nachts Auto, Kontrast ist Ihnen wichtiger als Lesen ohne BrilleMonofokallinse oder Monofokal-Plus-Linse
Sie lesen sehr viel und möchten dabei möglichst ohne Brille auskommenMultifokallinse
Sie sind sportlich aktiv und brauchen Sehschärfe über mehrere Distanzen in BewegungEDOF-Linse, ggf. Monofokal-Plus-Linse
Sie lesen Noten oder arbeiten in Armlänge mit feinen DetailsEDOF-Linse, ggf. Mix-and-Match
Sie kommen mit einer Lesebrille für bestimmte Situationen gut zurechtMonofokal-Plus-Linse oder EDOF-Linse

Fazit: Welche Speziallinse zu Ihnen passt, hängt von Ihren Bedürfnissen und Ihrem Alltag ab. Die Multifokallinse bietet die größte Brillenunabhängigkeit für alle Entfernungen, die EDOF-Linse eine gute Zwischen- und Fernsicht mit tendenziell weniger optischen Nebenwirkungen, die Monofokal-Plus-Linse eine leicht erweiterte Schärfentiefe bei einem Nebenwirkungsprofil nahe der klassischen Monofokallinse. Eine gründliche augenärztliche Beratung ist unerlässlich, um die für Sie passende Lösung unter Abwägung aller Vor- und Nachteile zu finden.

Kosten und Versicherung — das Wichtigste in Kürze

Die Operation des Grauen Stars selbst ist eine Kassenleistung. Speziallinsen sind es in keinem Modell — sie werden immer privat verrechnet, unabhängig davon, ob die Operation in der Privatklinik Confraternität & Goldenes Kreuz oder in unserem privaten OP stattfindet.

Wer eine private Zusatzversicherung mit Sonderklasse hat (UNIQA, Merkur, Wiener Städtische, Generali, Grawe,...), bekommt die Operation im Beleg- oder Privatspital in der Regel weitgehend erstattet; der Anteil für die Speziallinse bleibt meist ein Selbstbehalt. Wie viel genau, hängt vom Tarif ab — das lässt sich aber vorab klären: Sie erhalten von mir einen detaillierten Kostenvoranschlag, den Sie vor der Operation bei Ihrer Versicherung einreichen können.

Als Wahlärztin rechne ich direkt mit Ihnen ab; einen Teil des Honorars erstattet Ihnen anschließend Ihre gesetzliche Krankenversicherung. Alle Details zu ÖGK-Erstattung, Wahlärztin, Sonderklasse und den aktuellen Beträgen finden Sie hier: → Was kostet die Grauer-Star-Operation in Österreich?

Sie möchten unabhängig von Ihrer Brille werden? Der Selbsttest zeigt Ihnen, welche Linse für Sie infrage kommen könnte.

Zum Selbsttest →

4. Mix-and-Match-Prinzip

Beim Mix-and-Match-Prinzip (Kombination beider Augen, siehe auch Beitrag „Mix-and-Match“) werden zwei unterschiedliche Linsen-Typen implantiert — je Auge eine. Ziel ist es, die individuellen Sehbedürfnisse durch die Kombination zweier Kategorien besser abzudecken und die Nebenwirkungen zu minimieren.

Typische Kombinationen:

  • Multifokallinse und Monofokallinse: Ein Auge deckt Nah-, Zwischen- und Fernbereich ab, das andere ist auf die Ferne optimiert — kann Blendung und Halos gegenüber beidseits multifokal reduzieren.
  • EDOF-Linse und Multifokallinse: Ein Auge deckt Zwischen- und Fernbereich mit erweiterter Schärfentiefe ab, das andere verbessert zusätzlich die Nahsicht.
  • Monofokal-Plus-Linse und Multifokal- oder EDOF-Linse: Ein Auge liefert eine gute Fernsicht mit etwas mehr Schärfentiefe, das andere verbessert die Nahsicht.

In unserer eigenen Studie zu Mix-and-Match-Strategien (Monofokal-Plus/trifokal vs. Monofokal-Plus/trifokal-EDOF) haben wir die Zufriedenheit und die Häufigkeit photischer Phänomene wie Halos systematisch ausgewertet.[7]

Sogar drei Jahre nach der Operation erzielte die Mix-and-Match-Gruppe weiterhin eine sehr gute Fernsicht (binokular unkorrigiert rund 20/20 Snellen, entsprechend rund 100 % der vollen Sehschärfe) und einen guten Zwischenbereich ohne Brille. Im Nahbereich erreichte die Kombination aus Monofokal-Plus- und Trifokallinse rund 20/32 Snellen Visus — im Rahmen der Studie signifikant besser als eine Vergleichsgruppe mit einer EDOF-Linse anstelle der Trifokallinse. Entsprechend gaben 50 % der Patient*innen an, in der Nähe nie eine Brille zu benötigen. Halos, Blendung und die allgemeine Zufriedenheit, erhoben mit dem validierten Fragebogen, zeigten durchgehend sehr gute Ergebnisse.

Vorteile: individuell angepasste Sehkorrektur, oft bessere Sehqualität über mehrere Distanzen als bei einer einzelnen Linsenart, teils reduzierte optische Nebenwirkungen gegenüber beidseits gleicher Speziallinse.

Was dabei wichtig ist: Das Gehirn braucht Zeit, sich an die unterschiedlichen Seheindrücke beider Augen zu gewöhnen. Die Wahl der richtigen Kombination erfordert eine detaillierte Voruntersuchung und Erfahrung mit den verschiedenen Linsentypen — genau hier fließt meine chirurgische und Forschungserfahrung mit unterschiedlichsten Kunstlinsentypen direkt in die gemeinsame Entscheidung ein.

Fallbeispiel aus meiner Praxis

Ein 65-jähriger Patient mit beidseitigem Grauem Star wünschte sich eine möglichst umfassende Sehkorrektur ohne Brille — Lesen war ihm besonders wichtig, ebenso gutes Sehen in der Dämmerung, da er häufig abends mit dem Auto unterwegs war. Diese beiden Wünsche stehen bei einer einzelnen Linse in einem gewissen Kontrast zueinander. Nach ausführlicher Untersuchung und Beratung entschieden wir uns für eine Mix-and-Match-Lösung: eine Multifokallinse im einen Auge für Nah- und Zwischenbereich, eine EDOF-Linse im anderen Auge für eine besonders gute Fernsicht in der Dämmerung. Der Patient kommt heute in den meisten Alltagssituationen ohne Brille aus und berichtet auf Nachfrage von gelegentlichen, ihn nicht störenden Halos beim nächtlichen Autofahren — ein Kompromiss, den er im Vorfeld bewusst in Kauf genommen hat.

Erfahrungsberichte von Patient*innen

Patient*innen erzählen, wie sie ihre Linsenwahl erlebt haben — jeweils mit ihrem eigenen Ausgangspunkt und ihrer eigenen Entscheidung.

Patientenerfahrung: Grauer Star Operation mit Monofokallinsen

Hartmut, nach der Grauer-Star-Operation: schmerzfrei operiert, sieht heute deutlich schärfer und heller — trägt aus persönlicher Gewohnheit weiterhin eine Brille.

Patientenerfahrung: Grauer Star Operation mit EDOF-Linsen

Manfred über seine EDOF-Linse: gutes Sehen beim Sport und im Alltag, für längeres Lesen weiterhin mit Lesebrille.

Patientenerfahrung: Grauer Star Operation mit Multifokallinsen

Heinz, mit Multifokallinsen operiert: gute Sehschärfe im Alltag ohne Brille, weiterhin Brille für die Arbeit an mehreren Bildschirmen und gelegentliche Lichthöfe beim nächtlichen Autofahren.

Wie wir gemeinsam die passende Linse finden

Die Wahl der für Sie geeigneten Speziallinse richtet sich nach Ihrer persönlichen Situation: Beruf, Alltagsgewohnheiten, Hobbys, Lifestyle und Ihre individuellen Anforderungen an das Sehen — aber auch die Bauart Ihres Auges und mögliche Begleiterkrankungen. Deshalb lege ich großen Wert auf das persönliche Gespräch bei der Voruntersuchung.

Ich bin an keinen Linsenhersteller gebunden. Aus dem breiten Spektrum an Speziallinsen wähle ich gemeinsam mit Ihnen jene aus, die zu Ihren Augen, Ihrem Alltag und Ihren Wünschen passt — nicht die, die im Katalog steht. Oft ist auch eine Kombination verschiedener Kunstlinsen (Mix-and-Match) eine gute Option.

Sie möchten eine zweite, unabhängige Meinung zu Ihrer Linsenwahl einholen? Das ist in meiner Ordination am Opernring in Wien jederzeit möglich. (→ Zweitmeinung Linsenwahl)

15 bis 20 % der Kataraktpatient*innen haben eine Hornhautverkrümmung (kornealen Astigmatismus) von 1,5 Dioptrien oder mehr. Das bedeutet, dass das Bild ohne Korrektur (Brille, Kontaktlinsen) in der Ferne und in der Nähe unscharf ist. Uns stehen mehrere Möglichkeiten zur Korrektur zur Verfügung:

  • Torische Kunstlinsen: gleichen die Hornhautverkrümmung mittels einer speziellen optischen Zone aus. Bei der Implantation muss auf eine exakte Ausrichtung entlang der berechneten Achse geachtet werden. Manchmal kann sich die Linse nach der Operation im Auge drehen; in diesem Fall können wir das Implantat in einem kleinen Eingriff an die ursprüngliche Achse zurückdrehen.
  • Laserschnitte (limbale relaxierende Inzisionen, LRI; arkuate Inzisionen, AK): hochpräzise, mit dem Femtosekundenlaser gesetzte bogenförmige Schnitte, die den Astigmatismus zusätzlich korrigieren können.

Ausführlich zu torischen Linsen: → Beitrag „Sind torische Linsen Standard?“

Mit zunehmendem Alter verliert die natürliche Linse an Elastizität und kann sich nicht mehr abkugeln — das ist der Beginn der Alterssichtigkeit, also der Verlust der Naheinstellung (Akkommodation) und damit des brillenfreien Sehens. Mit Multifokallinsen oder EDOF-Linsen können wir Ihnen dafür eine Lösung anbieten: Sie besitzen mehrere Brennpunkte bzw. einen erweiterten Schärfebereich, die Ihnen weitgehend brillenunabhängiges Sehen in verschiedenen Distanzen ermöglichen können.

Multifokallinsen bilden mehrere Brennpunkte gleichzeitig ab — je nach Anzahl auch bifokal (Nähe und Ferne) oder trifokal (zusätzlich Zwischenbereich) genannt. Trifokale Linsen gewinnen durch die Zunahme von Bildschirmarbeit an Bedeutung, da sie das Lesen am Bildschirm ohne Brille erleichtern. Alle Fachbegriffe rund um die einzelnen Linsennamen erkläre ich ausführlich in diesem Beitrag .

Vorteil: Brillenunabhängigkeit in mehreren Distanzen — die größte unter den Speziallinsen.

Was man dafür in Kauf nimmt: Weil das Licht auf mehrere Brennpunkte verteilt wird, kann das Kontrastsehen in der Dämmerung reduziert sein, und es treten vor allem nachts häufiger Blendung oder Lichthöfe (Halos) um Lichtquellen auf (ausführlich in dem Beitrag, „Halos, Blendung & Co.“). Deshalb eignen sich Multifokallinsen zum Beispiel nicht für jede*n, die/der beruflich viel und vor allem nachts Auto fährt. Ob und welche Multifokallinse für Sie infrage kommt, entscheiden wir gemeinsam nach Ihrer Voruntersuchung und Ihren individuellen Bedürfnissen.

Ja, aber das Sehen braucht Zeit, um sich einzuspielen — vor allem bei Multifokallinsen. Direkt nach der Operation ist das Gehirn noch auf den alten Seheindruck geeicht; die Umgewöhnung (Neuroadaptation) dauert häufig drei bis sechs Monate, bei manchen Patient*innen länger. Details zur Funktionsweise und den möglichen Nebenwirkungen der einzelnen Linsentypen finden Sie weiter oben auf dieser Seite unter „Multifokallinse“.

Speziallinsen werden in der Regel weder von der gesetzlichen Krankenkassa noch von den meisten privaten Zusatzversicherungen automatisch übernommen — sie werden immer privat verrechnet. Je nach Versicherungsmodell (Zusatzversicherung oder Selbstzahler) und Operationsort (Privatklinik Confraternität oder meine Ordination) unterscheidet sich, ob und wie die Operation selbst erstattet wird; die Speziallinse bleibt in der Regel ein Selbstbehalt. Eine detaillierte Übersicht aller Kostenmodelle finden Sie hier: → Beitrag, „Was kostet die Grauer-Star-Operation in Österreich?“

Quellenverzeichnis

Eigene Publikationen der Vienna IOL Study Group

  1. Schartmüller D, Lisy M, Mahnert N, Schranz M, Danzinger V, Schwarzenbacher L, Pieh S, Abela-Formanek C, Leydolt C, Menapace R. Rotational stability and refractive outcomes of a new hydrophobic acrylic toric intraocular lens. Eye Vis (Lond). 2024 Jul 2;11(1):25. DOI (Open Access)
  2. Schartmüller D, Röggla V, Schwarzenbacher L, Leydolt C, Menapace R. Rotational Stability of a New Hydrophobic Acrylic IOL With Modified C-loop Haptics. J Refract Surg. 2021 Feb 1;37(2):112-118. DOI
  3. Schartmüller D, Schwarzenbacher L, Meyer EL, Schriefl S, Leydolt C, Menapace R. Comparison of Long-Term Rotational Stability of Three Commonly Implanted Intraocular Lenses. Am J Ophthalmol. 2020 Dec;220:72-81. DOI (Open Access)
  4. Danzinger V, Schartmüller D, Lisy M, Schranz M, Schwarzenbacher L, Abela-Formanek C, Menapace R, Leydolt C. Intraindividual Comparison of an Enhanced Monofocal and an Aspheric Monofocal Intraocular Lens of the Same Platform. Am J Ophthalmol. 2024 May;261:95-102. DOI
  5. Danzinger V, Schartmüller D, Lisy M, Schranz M, Schwarzenbacher L, Abela-Formanek C, Menapace R, Leydolt C. Fellow-Eye Comparison of Monocular Visual Outcomes Following Monofocal Extended Depth-of-Focus (EDOF) and Trifocal EDOF Intraocular Lens Implantation. Am J Ophthalmol. 2024 Nov;267:76-83. DOI (Open Access)
  6. Danzinger V, Schartmüller D, Schwarzenbacher L, Röggla V, Abela-Formanek C, Menapace R, Leydolt C. Clinical prospective intra-individual comparison after mix-and-match implantation of a monofocal EDOF and a diffractive trifocal IOL. Eye (Lond). 2024 Feb;38(2):321-327. DOI (Open Access)
  7. Danzinger V, Lisy M, Schartmüller D, Mahnert N, Schranz M, Abela-Formanek C, Leydolt C. Three-year comparison of two mix-and-match strategies: enhanced monofocal and trifocal vs enhanced monofocal and trifocal EDOF intraocular lenses. J Cataract Refract Surg. 2026 Mar 1;52(3):275-281. DOI

Weitere Fachliteratur

  1. Rosa AM, Miranda AC, Patrício MM, McAlinden C, Silva FL, Castelo-Branco M, Murta JN. Functional magnetic resonance imaging to assess neuroadaptation to multifocal intraocular lenses. J Cataract Refract Surg. 2017 Oct;43(10):1287-1296. DOI

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