Woran erkenne ich eine unabhängige Beratung zur Linsenwahl?

Bei jeder Grauer-Star-Operation stellt sich früher oder später dieselbe Frage: Welche Kunstlinse ist für mich die richtige? Eine unabhängige Beratung zur Linsenwahl ist dabei entscheidend, denn die Antwort sollte sich ausschließlich nach Ihren Augen und Ihrem Alltag richten, nicht nach dem Produktkatalog eines Linsenherstellers oder wirtschaftlichen Interessen einer Praxis. Wenn Sie in Wien eine Operateurin für den Grauen Star suchen, lohnt es sich, genau hinzusehen, woran sich echte Unabhängigkeit erkennen lässt.

Warum Unabhängigkeit bei der Linsenwahl überhaupt eine Rolle spielt

Monofokale, torische, EDOF- und multifokale Linsen unterscheiden sich deutlich nicht nur in Wirkung und möglichen Nebenwirkungen, sondern auch im Preis — die Unterschiede zwischen den Kostenmodellen erkläre ich ausführlich im Beitrag zu den Kosten der Grauer-Star-Operation in Österreich. Ist eine Ärztin oder ein Arzt vertraglich oder wirtschaftlich an einen einzelnen Linsenhersteller gebunden, kann das die Empfehlung beeinflussen, auch unbewusst. Als Wahlärztin bin ich an keine Kasse und keine bestimmte Klinik-Linsenausstattung gebunden, sondern wähle aus dem Angebot verschiedener Hersteller. Eine unabhängige Beratung bedeutet, dass die Wahl zwischen den verschiedenen Linsentypen ausschließlich anhand objektiver Kriterien wie der Bauart Ihres Auges (Hornhaut, Sehwinkel, Pupille, Augenlänge u. a.) und subjektiver Kriterien wie Ihrer persönlichen Sehgewohnheiten individuell getroffen wird, nicht anhand dessen, was gerade im Lager liegt oder am meisten Marge bringt. In Österreich verpflichtet die Werberichtlinie der Ärztekammer ohnehin zu sachlicher, nicht irreführender Aufklärung, echte Unabhängigkeit geht aber darüber hinaus.

Sechs Anhaltspunkte für eine unabhängige Beratung

● Keine Bindung an einen einzelnen Linsenhersteller – mehrere Linsentypen unterschiedlicher Firmen kommen tatsächlich zum Einsatz.
● Offene Aufklärung über Nachteile, nicht nur Vorteile – etwa Halos oder reduziertes Kontrastsehen bei Multifokallinsen werden aktiv angesprochen.
● Die Empfehlung folgt der Untersuchung, nicht nur dem Wunsch – auch die Bereitschaft, von einer Premiumlinse abzuraten, wenn die Augen dafür nicht geeignet sind.
● Sichtbare eigene wissenschaftliche Tätigkeit statt reiner Verkaufssprache – Studien, Publikationen, Forschungsgruppen.
● Transparente Kostenaufklärung ohne Drängen zu einer bestimmten Linse.
● Ausreichend Zeit für das Gespräch – keine Dringlichkeitssprache wie „jetzt buchen, bevor …“.

Was zeigt eigene Forschung im Vergleich zu Herstellerangaben?

Ein Beispiel dafür, warum unabhängige, wissenschaftlich begleitete Beratung einen Unterschied macht: In einer eigenen randomisiert-kontrollierten Studie haben wir über drei Jahre verglichen, wie stark der Nachstar, die hintere Kapseltrübung, bei zwei ähnlich aufgebauten Kunstlinsen unterschiedlicher Bauart auftritt — ein Unterschied, der sich aus reinem Herstellermaterial kaum ablesen lässt, weil er erst nach Jahren sichtbar wird. Auch bei der sogenannten Mix-and-Match-Methode, bei der zwei unterschiedliche Linsentypen in beide Augen eingesetzt werden, haben wir in einer eigenen Studie über drei Jahre zwei Kombinationsstrategien miteinander verglichen und die Ergebnisse im Journal of Cataract & Refractive Surgery veröffentlicht. Solche Langzeitdaten stammen aus unabhängiger, von Fachkolleg*innen begutachteter Forschung, nicht aus Marketingunterlagen einzelner Hersteller. Wer möchte, kann diese Publikationen auch selbst nachlesen, sie sind über die jeweiligen Fachjournale frei recherchierbar — ein Grad an Transparenz, den reines Werbematerial naturgemäß nicht bietet. Genau das unterscheidet eine forschungsbasierte von einer rein verkaufsorientierten Beratung: Die Empfehlung stützt sich auf tatsächlich über Jahre beobachtete Ergebnisse, nicht auf kurzfristige Zufriedenheitswerte aus Herstellerstudien.

Fragen, die Sie im Beratungsgespräch stellen können

Eine unabhängige Beratung erkennen Sie auch daran, wie offen sie auf konkrete Nachfragen reagiert. Fragen wie „Mit wie vielen verschiedenen Linsenherstellern arbeiten Sie?“ oder „Was spricht bei mir persönlich gegen eine bestimmte Linse?“ gehören für mich selbstverständlich zu jedem Gespräch. Auch kritische Rückfragen sind ausdrücklich willkommen, sie gehören für mich zu einer guten gemeinsamen Entscheidungsfindung dazu. Die ausführlichen Antworten dazu finden Sie im FAQ-Abschnitt unten.

Unabhängige Forschung als Vertrauenssignal

Ich leite seit mehreren Jahren die Vienna IOL Study Group, eine Forschungsgruppe für Kunstlinsen und Katarakt-Chirurgie an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Medizinischen Universität Wien. Unsere Arbeit umfasst unter anderem Nachstar-Prophylaxe, torische Linsen zur Astigmatismus-Korrektur, Presbyopie- (Alterssichtigkeits-) korrigierende Linsen sowie die Verbesserung der präoperativen Messverfahren und Linsenberechnung (Biometrie). Die Ergebnisse sind in international anerkannten Fachjournalen wie dem American Journal of Ophthalmology, dem Journal of Cataract & Refractive Surgery und in Ophthalmology veröffentlicht. Mehr zu meinem wissenschaftlichen Werdegang und meinen Publikationen finden Sie auf meiner Über-mich-Seite. Solche wissenschaftlichen Studien – international publiziert und von Fachkolleg*innen begutachtet – zeugen mehr von Unabhängigkeit als jedes Werbeversprechen. Auch Fachgesellschaften wie die European Society of Cataract and Refractive Surgery (ESCRS) setzen sich für wissenschaftlich fundierte, patientenorientierte Standards in der Kataraktchirurgie ein.

Sie möchten besprechen, welche Linse für Sie infrage kommt? Vereinbaren Sie ein persönliches Beratungsgespräch in meiner Ordination am Opernring in Wien. Ich nehme mir dafür ausreichend Zeit, ohne Termindruck, damit Sie in Ruhe entscheiden können. Mehr zu meinem wissenschaftlichen Hintergrund und der Vienna IOL Study Group finden Sie auf meiner Über-mich-Seite.

Häufige Fragen zur unabhängigen Beratung bei der Linsenauswahl:

Wie viele Linsenoperationen sollte eine Operateurin pro Jahr durchführen?2026-07-30T23:04:09+02:00

Eine offizielle Mindestzahl gibt es nicht, doch eine hohe chirurgische Erfahrung gilt allgemein als ein Faktor für gleichbleibend gute Ergebnisse und einen sicheren Umgang mit Komplikationen. Ich selbst führe rund 1.000 Linsenoperationen pro Jahr durch.

Wichtiger als eine reine Zahl ist jedoch die Kombination aus praktischer Erfahrung und wissenschaftlicher Auseinandersetzung mit dem Thema: Wer viele Operationen durchführt und zugleich aktiv an der Weiterentwicklung von Linsen und OP-Verfahren forscht und regelmäßig publiziert, bringt in der Regel ein tieferes Verständnis für die Vor- und Nachteile einzelner Linsentypen mit. So fließen beispielsweise Erkenntnisse aus eigenen Studien zu Rotationsstabilität torischer Linsen, Nachstar-Prophylaxe oder dem Vergleich verschiedener Linsentypen direkt in die tägliche Beratung ein, nicht nur die reine Fallzahl. Auch organisatorische Rahmenbedingungen wie ein eigener, moderner Operationssaal können ein Hinweis auf Routine und Erfahrung sein. Die Fallzahl allein ist damit ein sinnvoller, aber nicht der einzige Anhaltspunkt, fragen Sie ruhig direkt danach, sie ist ein legitimer und üblicher Teil eines Beratungsgesprächs.

Warum ist Herstellerunabhängigkeit bei der Linsenwahl wichtig?2026-07-30T23:02:41+02:00

Die Wahl der Kunstlinse wirkt sich über viele Jahre auf Ihr Sehen und Ihre Lebensqualität aus. Ist eine Praxis vertraglich oder wirtschaftlich an einen bestimmten Hersteller gebunden, besteht ein Anreiz, dessen Linsen zu empfehlen, unabhängig davon, ob sie im Einzelfall tatsächlich die beste Wahl sind. Bei einer Bindung an nur einen Hersteller besteht zudem das Risiko, dass neue, für Sie eventuell besser geeignete Linsenmodelle anderer Firmen erst gar nicht angeboten werden.

Herstellerunabhängigkeit bedeutet, dass mehrere Linsentypen verschiedener Firmen zur Verfügung stehen und die Auswahl allein anhand der Anatomie Ihrer Augen, Hornhautoberfläche, der Pupillengröße, möglicher Begleiterkrankungen und Ihrer persönlichen Sehgewohnheiten erfolgt. So wird beispielsweise eine Multifokallinse nur dann empfohlen, wenn die Augen dafür geeignet sind, nicht weil sie die höchste Marge bringt. Auch die österreichische Ärztekammer verlangt in ihrer Werberichtlinie eine sachliche, am Patientenwohl orientierte Aufklärung statt Verkaufssprache; Unabhängigkeit ist damit nicht nur ein Vertrauenssignal, sondern auch standesrechtlich verankert. Dieser Unterschied ist bei einer Operation, die in der Regel ein Leben lang wirkt, keine Nebensächlichkeit, sondern ein zentraler Qualitätsfaktor.

Welche Fragen sollte ich meiner Operateurin oder meinem Operateur stellen?2026-07-30T23:02:13+02:00

Hilfreiche Fragen sind unter anderem: Mit wie vielen verschiedenen Linsenherstellern arbeiten Sie? Was spricht bei mir persönlich gegen eine bestimmte Linse? Welche Nebenwirkungen sind bei der empfohlenen Linse möglich? Und: Wie viele Linsenoperationen führen Sie pro Jahr durch?

Zusätzlich lohnt sich die Frage, worauf sich die Empfehlung stützt, auf eigene Erfahrung und Forschung oder überwiegend auf Informationsmaterial der Hersteller. Auch eine Frage wie „Was würden Sie an meiner Stelle wählen und warum?“ kann viel offenlegen, weil eine ehrliche Antwort in der Regel Kompromisse benennt statt nur Vorteile. Aufschlussreich ist zudem die Frage, ob sich die Empfehlung ändern würde, wenn Sie die Linse vollständig selbst bezahlen müssten, statt sie über eine Zusatzversicherung abzurechnen. Sinnvoll ist außerdem die Frage nach den Kosten und was davon von einer privaten Zusatzversicherung übernommen wird. Wer sich in der Beratung Zeit für solche Fragen nimmt und konkret statt ausweichend antwortet, signalisiert damit meist auch inhaltliche Unabhängigkeit. Notieren Sie sich Ihre Fragen vor dem Termin, im Gespräch selbst vergisst man unter Zeitdruck erfahrungsgemäß leicht die Hälfte davon.

Woran erkenne ich eine unabhängige Beratung zur Linsenwahl?2026-07-30T23:01:14+02:00

Eine unabhängige Beratung erkennen Sie daran, dass mehrere Linsentypen unterschiedlicher Hersteller tatsächlich zum Einsatz kommen und die Empfehlung sich nach Ihren Augen richtet, nicht nach einem einzelnen Produktkatalog. Ebenso wichtig: eine offene Aufklärung über mögliche Nachteile, nicht nur über Vorteile.

Konkrete Anhaltspunkte sind zum Beispiel, ob die Ärztin oder der Arzt bereit ist, auch von einer Premiumlinse abzuraten, wenn die Augen dafür nicht optimal geeignet sind, etwa bei bestimmten Hornhautbefunden oder Netzhauterkrankungen, und stattdessen zu einer einfacheren, günstigeren Monofokallinse rät. Auch Nebenwirkungen wie Halos oder ein verändertes Kontrastsehen bei Multifokallinsen sollten von sich aus angesprochen werden, nicht erst auf Nachfrage. Ein weiteres Signal ist sichtbare eigene wissenschaftliche Tätigkeit, etwa Studienbeteiligung oder Publikationen, statt reiner Verkaufssprache mit Superlativen wie „die beste Linse“. Auch die österreichische Werberichtlinie der Ärztekammer verlangt eine sachliche, nicht irreführende Aufklärung statt Verkaufssprache; ein Gespräch, das diesem Anspruch gerecht wird, ist ein gutes Zeichen. Und schließlich: ausreichend Zeit für das Gespräch, ohne Dringlichkeitssprache oder Termindruck. In Kombination geben diese Punkte einen guten Eindruck davon, ob eine Empfehlung wirklich zu Ihren Augen passt oder eher zu einem Produkt.

Was ist die Vienna IOL Study Group?2026-07-30T23:00:18+02:00

Die Vienna IOL Study Group ist die Forschungsgruppe für Kunstlinsen und Linsenchirurgie, die ich an der Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie der Medizinischen Universität Wien leite. Seit mehr als zwei Jahrzehnten untersuchen wir, wie sich moderne Kunstlinsen für Patient*innen weiter verbessern lassen.

Unsere Forschungsschwerpunkte umfassen die Nachstar-Prophylaxe (hintere Kapseltrübung), torische Intraokularlinsen zur Korrektur von Astigmatismus, Presbyopie- (Alterssichtigkeit-) korrigierende Linsen wie Multifokal-, EDOF- und Monofokal-Plus-Linsen sowie die Verbesserung präoperativer Messverfahren und Linsenberechnung (Biometrie). Ein Beispiel: In einer eigenen randomisiert-kontrollierten Studie haben wir über drei Jahre untersucht, wie stark sich die Nachstar-Rate zwischen zwei ähnlich aufgebauten Kunstlinsen unterscheidet, veröffentlicht im Journal of Cataract & Refractive Surgery. Insgesamt sind die Ergebnisse unserer Arbeit in zahlreichen Studien internationaler Fachjournale erschienen, unter anderem im American Journal of Ophthalmology, im Journal of Cataract & Refractive Surgery und in Ophthalmology, und werden regelmäßig auf nationalen und internationalen Kongressen vorgestellt. Für Sie als Patientin oder Patient bedeutet das: Meine Linsenempfehlungen beruhen nicht auf Werbeversprechen einzelner Hersteller, sondern auf Erkenntnissen eigener, langjähriger wissenschaftlicher Arbeit.

2026-07-30T23:25:10+02:0022.07.2026|Graue Star Operation, Speziallinsen|

About the Author:

Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Christina Leydolt ist Fachärztin für Augenheilkunde in Wien mit Spezialisierung auf Kataraktchirurgie (Grauer Star), Kunstlinsen-Implantation und refraktiven Linsentausch. Sie leitet die Vienna IOL Study Group, forscht aktiv im Bereich Premiumlinsen (torische, multifokale, EDOF- und Monofokal Plus-Linsen) und veröffentlicht regelmäßig Fachpublikationen in internationalen wissenschaftlichen Journalen. In ihrer Ordination am Opernring berät sie individuell zu Monofokal-, EDOF-, Multifokal- und torischen Linsen mit dem Ziel, bestmögliches Sehen und ein weitgehend Brillen-unabhängiges Leben zu ermöglichen. In ihren Blogbeiträgen erklärt sie aktuelle Entwicklungen in der Augenheilkunde verständlich und wissenschaftlich fundiert. Mehr über Assoc. Prof. Priv. Doz. Dr. Christina Leydolt und ihre Kunstlinsen-Forschung erfahren Sie hier.
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